| | | | Alle Vögel sind schon da | Alle Vögel sind schon da,
Alle Vögel sind schon da,
alle Vögel, alle.
Welch ein Singen, Musizieren,
Pfeifen, Zwitschern, Tirilieren!
Frühling will nun einmaschieren,
kommt mit Sang und Schalle.
Wie sie alle lustig sind,
flink und froh sich regen.
Amsel, Drossel, Fink und Star,
und die ganze Vogelschar,
wünschen uns ein frohes Jahr,
lauter Heil und Segen.
Was sie uns verkünden nun,
nehmen wir zu Herzen.
Wir auch wollen lustig sein,
lustig wie die Vögelein,
hier und dort, Feldaus, Feldein,
Singen, Springen, Scherzen.
Hoffmann von Fallersleben | | | | Alles neu, macht der Mai | Alles neu, macht der Mai,
Macht die Seele frisch und frei
Laßt das Haus, kommt hinaus,
Windet einen Strauß!
Rings erglänzet Sonnenschein,
Duftend pranget Flur und Hain;
Vogelsang, Hörnerklang
Tönt den Wald entlang.
Wir durchzieh'n Saaten grün,
Haine, die ergötzend blüh'n,
Waldespracht neu gemacht,
Nach des Winters Nacht.
Dort im Schatten an dem Quell
Rieselnd munter, silberhell,
Klein und Groß ruht im Moos,
Wie im weichen Schoß.
Hier und dort, fort und fort,
Wo wir ziehen Ort für Ort
Alles freut sich der Zeit,
Die verjüngt, erneut,
Widerschein der Schöpfung blüht
Uns erneuernd im Gemüt.
Alles neu, frisch und frei
Macht der holde Mai.
H. Adam v. Kamp, 1818 (1796-1867)
| | | | Alte Freundschaft | Da ist die liebe Schwalbe wieder,-
Sie blieb uns fast zu lange aus;
Sie zwitschert ihre alten Lieder
Und zieht ins alte, kleine Haus.
Sie trägt den Frack, den schwarzen, alten,
Den sie im vor'gen Jahre trug;
Die Weste hat sie gut gehalten, -
Sie ist noch weiß und rein genug.
Wer weiß, was alles sie getrieben,
Seit sie gereist ins ferne Land,
Doch ist die alte sie geblieben,
Die Sonne hat sie nicht verbrannt.
Drum hab' ich sie auch auf der Stelle
Erkannt am Frack und am Gesicht.
Mein Schwälbchen komm, flieg nicht so schnelle,
Du thust, als kenntest du mich nicht.
Nicht wahr, ich bin recht groß geworden,
Seit wir uns sah'n zum letztenmal,
Seit fort du zogst nach fernen Orten
Weit über Meer und Berg und Thal.
Komm nur, wir sind ja doch die Alten
Und bleiben's auch in diesem Jahr;
Wir wollen gute Freundschaft halten,
So wie's im vor'gen Sommer war
Georg Christian Dieffenbach
Franz Wilhelm Abt, 1819-1885
| | | | | Der Kuckuck und der Esel | Der Kuckuck und der Esel,
die hatten einen Streit:
wer wohl am besten sänge,
wer wohl am besten sänge,
zur schönen Maienzeit,
zur schönen Maienzeit.
Der Kuckuck sprach: "Das kann ich"
und fing gleich an zu schrei'n.
"Ich aber kann es besser",
"Ich aber kann es besser",
fiel gleich der Esel ein,
fiel gleich der Esel ein.
Das klang so schön und lieblich,
so schön von fern und nah.
Sie sangen alle beide,
sie sangen alle beide,
Kuckuck, Kuckuck, I-a! I-a!,
Kuckuck, Kuckuck, I-a! I-a!
| | | | Der Mai ist gekommen | Der Mai ist gekommen,
die Bäume schlagen aus,
da bleibe, wer Lust hat,
mit Sorgen zu Haus!
Wie die Wolken dort wandern
am himmlischen Zelt,
so steht auch mir der Sinn
in die weite, weite Welt.
Herr Vater, Frau Mutter,
dass Gott euch behüt!
Wer weiß, wo in der Ferne
mein Glück mir noch blüht;
es gibt so manche Straße,
da nimmer ich marschiert,
es gibt so manchen Wein,
den ich nimmer noch probiert.
Frisch auf drum, frisch auf drum
im hellen Sonnenstrahl!
Wohl über die Berge,
wohl durch das tiefe Tal!
Die Quellen erklingen,
die Bäume rauschen all;
mein Herz ist wie 'ne Lerche
und stimmet ein mit Schall.
Und abends im Städtlein,
da kehr ich durstig ein:
"Herr Wirt, ja Herr Wirt,
eine Kanne blanken Wein!
Ergreife die Fiedel,
du lust'ger Spielmann du,
von meinem Schatz das Liedel,
das sing ich dazu!"
Und find' ich kein' Herberg',
so lieg' ich zur Nacht
wohl unter blauem Himmel,
die Sterne halten Wacht;
im Winde die Linde,
die rauscht mich ein gemach,
es küsset in der Frühe
das Morgenrot mich wach.
O Wandern, o Wandern,
du freie Burschenlust!
Da weht Gottes Odem
so frisch in die Brust;
da singet und jauchzet
das Herz zum Himmelszelt:
wie bist du doch so schön,
O du weite, weite Welt!
Emanuel Geibel (1815-1884) | | | | Im Märzen der Bauer | Im Märzen der Bauer die Rösslein einspannt,
Er setzt seine Felder und Wiesen in Stand.
Er pflüget den Boden, er egget und sät
Und rührt seine Hände früh morgens und spät.
Die Bäurin, die Mägde, sie dürfen nicht ruhn,
Sie haben in Haus und Garten zu tun.
Sie graben und rechen und singen ein Lied,
Sie freun sich, wenn alles schön grünet und blüht.
So geht unter Arbeit das Frühjahr vorbei,
Da erntet der Bauer das duftende Heu.
Er mäht das Getreide, dann drischt er es aus,
Im Winter da gibt es manch fröhlichen Schmaus. | | | | Jetzt fängt das schöne Frühjahr an | Jetzt fängt das schöne Frühjahr an,
Und alles fängt zu blühen an
Auf grüner Heid und überall.
Es wachsen Blümlein auf dem Feld
Sie blühen weiß, blau, rot und Gelb,
So wie es meinem Schatz gefällt.
Wenn ich zu meinem Schätzlein geh',
Da singt das Lerchlein in die Höh,
Weil ich zu meinem Schätzlein geh'.
Hab ich dich nicht recht treu geliebt
Und dir dein Herz niemals betrübt?
Doch du führst eine falsche Lieb!
Nun geh' ich in den grünen Wald,
Zu suchen einen Aufenthalt,
Weil mir mein Schatz nicht mehr gefallt
Niederrhein, ~ 1880
| | | | Komm, lieber Mai | Komm, lieber Mai,
und mache die Bäume wieder grün
und lass mir an dem Bache
die kleinen Veilchen blühn!
Wie möchte ich doch so gerne
ein Veilchen wieder Sehn,
ach, lieber Mai, wie gerne
einmal spazieren gehn!
Zwar Wintertage haben
wohl auch der Freuden viel:
man kann im Schnee eins traben
und treibt manch Kinderspiel,
baut Häuserchen von Karten,
spielt Blindekuh und Pfand,
auch gibt's wohl Schlittenfahrten
ins weite weiße Land.
Doch wenn die Vögel singen
und wir dann froh und flink
auf grünem Rasen springen,
das ist ein ander Ding!
Jetzt muss mein Steckenpferdchen
dort in dem Winkel stehn,
denn draußen in dem Gärtchen,
kann man vor Schmutz nicht gehn. | | | | Kuckuck, Kuckuck | Kuckuck, Kuckuck, ruft's aus dem Wald.
Lasset uns singen, tanzen und springen!
Frühling, Frühling wird es schon bald.
Kuckuck, Kuckuck lässt nicht sein Schrei'n:
"Komm in die Felder, Wiesen und Wälder!
Frühling, Frühling, stelle dich ein!"
Kuckuck, Kuckuck, trefflicher Held!
Was du gesungen, ist dir gelungen:
Winter, Winter räumet das Feld! | | |
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